INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


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26. AUGUST 2013, DARMSTÄDTER ECHO

Roter Faden

Klaviermusik – Der Pianist Wolfgang Manz spielt Brahms und Rachmaninov in Darmstadt

VON KLAUS TRAPP

DARMSTADT. Schwere Tonkost – mit leichten Händen serviert. Auf diese Formel lässt sich der Klavierabend bringen, mit dem der international erfahrene Pianist Wolfgang Manz am Samstagabend seine Zuhörer in der Darmstädter Orangerie begeisterte.
Im ersten Programmteil vertiefte sich der Pianist in Klavierstücke, die zum Spätwerk von Johannes Brahms gehören. Die Capricci und Intermezzi des Opus 76 wirkten in seiner Wiedergabe fast wie Improvisationen, schwankend zwischen lyrischem Verweilen und dramatischem Zugriff. Dabei blieben die ausgeklügelten Strukturen, die der Komponist auch in diesen kleinen Stücke aufbitett,ein wenig unterbelichtet. Dafür entschädigte der sensible Anschlag, der ein weites dynamisches Spektrum eröffnete. Bei den vier Klavierstücken op. 119, einem der letzten Werke von Brahms, kam eine innere Steigerung hinzu, die in der abschließenden, kraftvoll angelegten Es-Dur-Rhapsodie gipfelte.
Mehr noch überzeugte der Pianist mit seinen Rachmaninov-Interpretationen. Er zeigte zunächst, dass Rachmaninov auch als genialer Bearbeiter eigener und fremder Werke aktiv war. Die Gesänge „Flieder“ und „Margeriten“ aus dem eigenen Schaffen wirkten wie ausdrucksstarke Lieder ohne Worte, der „Hopak“ von Mussorgsky gewann deftigen tänzerischen Schwung, und das „Wiegenlied“ von Tschaikowsky klang wie eine schwärmerische Träumerei. Dabei hob der Pianist jeweils die Führungsstimme von den begleitenden Arabesken effektvoll ab. Bei fünf pianistisch äußerst anspruchsvollen Etudes tableaux aus Opus 39 durchforstete Wolfgang Manz geschickt den üppig wuchernden Klaviersatz. Er entdeckte gleichsam den roten Faden, der diese virtuosen Stücke zusammenhält, und er brachte viel Verständnis für die aparte Harmonik und die raffinierte Klanglichkeit ein. Die geradezu orchestrale Klangfülle wurde durch das kluge Abwägen von Haupt- und Nebenstimmen gebändigt.
Mit Bedacht hatte Manz die mächtig auftrumpfende D-Dur-Etüde Nr. 9 ans Ende seines Programms gestellt. Er erntete mit Recht Bravorufe für diese pianistische Demonstration, und bedankte sich mit dem schlichten Wiegenlied-Intermezzo Es-Dur aus Brahms’ Opus 117.