INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


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25. JANUAR 2013, DARMSTÄDTER ECHO

Ein Genie, das man kopieren darf

 

Musikfestival – Rachmaninov-Gesellschaft startet 2013 mit Konzerten und Talentförderung durch

VON SILVIA ADLER

DARMSTADT/FRANKFURT. Junge Talente und renommierte Musiker aus aller Welt Kommen in den nächsten Monaten nach Darmstadt und Frankfurt – was sie verbindet: ihre Liebe zur Musik Rachmaninovs. Die nach ihm benannte Gesellschaft mit Sitz in Darmstadt veranstaltet ihm zu Ehren 2013 ein Festival.

Der jüngste Antrag kam etwas überraschend aus Ashkelon, Israel, einer Küstenstadt nördlich von Gaza-City. Eine Komponistin von dort möchte gern Mitglied in der Rachmaninov-Gesellschaft werden, und so schickte die Künstlerin ihren Wunsch Richtung Darmstadt. Dort lebt Nikolaj Eurich, der umtriebige Gründer und Kopf der deutschen Rachmaninov-Gesellschaft, und weil er seine Liebe zu den spätromantisch bewegten Klängen des russischen Komponisten auch über einen Facebook-Account in die Welt hinaus ruft, schallt es aus vielen Ländern zurück, nun aus Israel. Wenn die jetzt beginnende Jubiläumssaison vorbei ist, könnten noch ein paar mehr auf der Weltkarte dazugekommen sein, hofft Eurich.

Denn ein Klavierwettbewerb steht jetzt wieder an, 66 Anmeldungen aus 19 Ländern liegen vor. Eigentlich ein paar zu viel, sagt Eurich, aber ihm kann es recht sein: „Viele, die einmal an einem Klavierwettbewerb bei uns teilnehmen, werden Mitglieder.“

Erstmals sind auch Komponisten aufgerufen

130 Gleichgesinnte hat er inzwischen gewonnen, seit er vor sieben Jahren die Gesellschaft gegründet hat. Der gebürtige Russlanddeutsche, 65, ehemaliger Dipl. Bauingenieur und aktiver Musik-Enthusiast, ist die treibende Kraft hinter der Vereinigung. Gleich drei Wettbewerbe und ein Dutzend Konzerte allein in Darmstadt stellt er mit einem halben Dutzend Helfer nun auf die Beine.

Ein Doppel-Jubiläum bietet den Anlass: Vor 140 Jahren wurde der umschwärmte Komponist in der Region Nowgorod geboren, vor 70 Jahren ist er in Beverly Hills gestorben. Kein ganz rundes Datum, aber Eurich hat dennoch Großes vor.
Zum ersten Mal läuft zurzeit ein Kompositionswettbewerb. Dabei sollen Werke eingesandt werden, die „im Stil und Geist Rachmaninovs“ gehalten sind, sagt der Initiator. Das heißt: „tonale Klaviermusik mit den Elementen, die der Komponist verwendet hat“. Bei einem solchen Musikgenie darf man nach Ansicht der Gesellschaft auch Ideen borgen: Stilkopien, sagt Eurich mit generösem Lächeln, „sind durchaus erlaubt“. Von den besten Stücken haben auch die Zuhörer etwas: Sie sollen zum Pflichtprogramm der nächsten Klavierwettbewerbe gehören, werden also von internationalen Talenten vorgetragen.

Der Klavierwettbewerb selbst findet von 2. bis 7 April statt, die Preisträger der drei Altersgruppen treten am 3. und 7. April in der Frankfurter Musikakademie auf, am Dr. Hoch’schen Konservatorium.

In Frankfurt, Bonn, Berlin und vor allem Darmstadt können sich die Klassik-Freunde auf Gastspiele der Rachmaninov-Spezialisten freuen. Die spielen freilich auch Musik von Zeitgenossen des verehrten Meisters und von anderen Komponisten; so wird das ganze Jahr über Musik von russischen Meistern wie Tschaikowsky, Skriabin, Schostakowitsch, aber auch von Bach und Ravel zu hören sein.

Bleibt für Eurich nur eins zu wünschen übrig: Dass durch das Festival noch mehr Gleichgesinnte aufmerksam werden, die bereit sind, für Rachmaninov in die Tasche zu greifen. Alles Eintrittsgeld fließe in die Veranstaltung der Wettbewerbe und Konzerte, sagt Eurich, aber das reiche nicht aus. Allein der Klavierwettbewerb koste rund 45 000 Euro, davon 20 000 Euro an Preisgeld – mehr, als durch die Auftritte hereinkommen könne.

KONZERTTERMINE:
Ein Jahr für Rachmaninov
DARMSTADT. Das „Internationale Rachmaninov-Festival“ beginnt an diesem Wochenende. Die aus der Ukraine stammende Pianistin Anna Tyhsayeva gibt am Samstag (26.) um 19 Uhr einen Klavierabend im Darmstädter Kennedyhaus. „Fantasie, hohe künstlerische Reife, Sensibilität und Leidenschaft“ zeichnen die in Frankfurt ausgebildete Musikerin aus, sagt der Veranstalter. Beim Wettbewerb der heimischen Da-Ponte-Stiftung belegte sie den 1. Platz und bekam den Publikumspreis noch obendrauf. Bach, Brahms und natürlich Rachmaninov will sie diesmal interpretieren.

Ein Dutzend Konzerte allein in Darmstadt folgen. Zwei Termine, auf die sich Organisator Eurich besonders freut. Am 11. Mai gastiert der gebürtige Moskauer Amir Tebenikhin in der Orangerie, somit der Gewinner des Deutschen Pianistenpreises von 2011, der unter anderem Tschaikowskys „Jahreszeiten“ vorträgt.

Am 8. Juni spielt am selben Ort das Fauré-Quartett, das als eines der besten jungen Kammermusik-Ensembles gelten darf; die von der Kritik hochgelobten Musiker spielen unter anderem Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ in einem Arrangement, das der Pianist Prof. Grigorij Gruzman besorgt hat – auch er seit langem ein Mitglied der Rachmaninov-Gesellschaft; Gruzman wird auch die Meisterkurse leiten, deren Teilnehmer am 30. November unter dem Titel „Stars von Morgen“ im Darmstädter Kennedyhaus auftreten.

„Sie gehören „zum Besten, was man derzeit hören kann“, findet die „Süddeutsche“:
Das aus Karlsruhe stammende „Fauré Quartett“ spielt mal im Cocoon Club, mal auf Kika, mal im Kammermusiksaal.
Am 8. Juni gastiert das Ensemble in der Darmstädter Orangerie.

Foto: Mat Hennek/DG

 

 

 

 

 

 

 

 

Karten und Programm:
Alle Konzerttermine des Jahres stehen auf der Website www.rachmaninov-gesellschaft.de; Karten gibt es jeweils an der Abendkasse, vorab beim Darmstadt-Ticketshop im Luisencenter sowie direkt bei der Rachmaninov-Gesellschaft unter Telefon 0157 71481495.