INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


         Kritiken

 

10. JUNI 2013, DARMSTÄDTER ECHO

Perfektion im Viererpack

Benefizkonzert – Das Fauré Quartett spielt Werke von Strauss und Mussorgsky

VON DAJA LEEVKE HINRICHS

DARMSTADT. Im Jubiläumsjahr von Sergei Rachmaninov (1873–1943) veranstaltet die Rachmaninov-Gesellschaft eine Reihe von Benefizkonzerten zu Ehren ihres Namensgebers. Der Höhepunkt war das Konzert des renommierten Fauré Quartetts am Samstag. Bei strahlendem Sonnenschein hatten dennoch nur wenige den Weg in die Darmstädter Orangerie gefunden, um das ausgezeichnete Ensemble zu hören.
Passend zum Anlass eröffneten die Musiker mit einem Frühwerk von Richard Strauss, dem Klavierquartett c-moll. Strauss hatte seinerzeit damit überzeugen können und mit 19 Jahren den Kompositionswettbewerb des Berliner Tonkünstlervereins gewonnen. Von Beginn an beeindruckte das Quartett mit seiner spielerischen Präzision. Der Streicherklang war vollkommen homogen, Übergänge von der Violine (Erika Geldsetzer) zur Viola (Sascha Frömbling) und zum Cello (Konstantin Heidrich) gelangen mit äußerster Geschmeidigkeit. Am Flügel führte und begleitete Dirk Mommertz seine Kollegen mit leichthändigem Spiel.
Überhaupt ist das hervorstechende Merkmal aller Mitglieder dieses Ensembles die Fähigkeit, in einem Moment perfekt zu begleiten und zu folgen und im nächsten Moment wieder das Heft in die Hand zu nehmen und zu führen. Dieses Rollenspiel und die spürbare Freude an der musikalischen Verständigung sind die reine Freude für die Zuhörer.
Im zweiten Teil waren Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ zu hören. Eine Ausstellung seines Freundes, des Malers Viktor Hartmann, hatte den russischen Komponisten zu dem Werk angeregt. Ursprünglich für Klavier geschrieben, erfuhr das Werk zahlreiche Bearbeitungen, die bekannteste davon für Orchester von Maurice Ravel. Das Fauré Quartett hatte das Werk zusammen mit Grigory Gruzman, dem ehemaligen Lehrer des Pianisten Dirk Mommertz, nun für Klavierquartett bearbeitet.
In Mussorgskys Komposition reizte das Quartett vor allem die klangfarbentechnischen und dynamischen Möglichkeiten der Besetzung aus und ließ in den Köpfen der Zuhörer die Gemälde wieder entstehen. So brauchten diese nur den Kopf zu drehen und in den Orangerie-Park zu sehen, um sich die spielenden Kinder samt ihrer Gouvernanten in den „Tuilerien“ vorstellen zu können. Zur Boshaftigkeit der Hexe Baba Jaga („Die Hütte auf Hühnerfüßen“) schien ein ganzes Sinfonieorchester auf der Bühne zu stehen. Gegen Ende des Stücks kapitulierte die G-Saite des Cellisten vor der Klanggewalt, was aber kaum die Intonation störte.
Mit einer Version des Popsongs „Gatekeeper“ von Leslie Feist verabschiedete sich das Quartett.