INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


         Kritiken

 

5. APRIL 2010, DARMSTÄDTER ECHO

Feinschliff zählt mehr als Kraft

 

Tastensicher, virtuos und nervenstark: Beim Auftaktkonzert des 3. Internationalen Rachmaninov-Klavierwettbewerbs in Frankfurt zeigten die jüngsten Preisträger am Mittwochabend ihr Talent.

VON SILVIA ADLER

FRANKFURT Große Resonanz fand in diesem Jahr der dritte Internationale Rachmaninov-Klavierwettbewerb für junge Pianisten. 92 Kandidaten aus 19 Nationen hatten sich um die Teilnahme an dem von der Rachmaninov-Gesellschaft mit Sitz in Darmstadt veranstalteten Pianistenwettstreit beworben, 68 von ihnen wurden anhand von Video-Aufnahmen für die zweite Runde ausgewählt.

Bereits die jüngsten Teilnehmer, die den in drei Alterskategorien unterteilten Wettbewerb am Dienstag eröffneten, legten die Messlatte ungewöhnlich hoch. Obgleich die Kandidaten der Kategorie A nicht älter als 14 Jahre sein durften, verfügten die meisten schon über reichlich Wettbewerbserfahrung und präsentierten sich bei ihrem Auftritt im großen Saal von Dr. Hoch’s Konservatorium erstaunlich souverän, konzentriert und nervenstark.

Auch wenn das Wettbewerbsprogramm, das neben einem polyphonen klassischen Pflichtstück auch ein Werk von Rachmaninow und das eines weiteren russischen Komponisten enthalten musste, höchste technische Anforderungen an die Teilnehmer stellte, schienen sich die jungen Pianisten gerade im russischen Repertoire besonders wohlzufühlen.
Rachmaninov sei sein Lieblingskomponist, schwärmt der 1998 in Nürnberg geborene Ilia Kalinski. Den Gymnasiasten, dessen Eltern aus St. Petersburg stammen, begeistere vor allem die Tiefe der Rachmaninovschen Werke, in denen er ein Stück Heimat wiederfände.
So kraftvoll wie der Vierzehnjährige in Rachmaninovs Prélude op. 25 Nr. 5 und in Prokofjews „Teuflischer Einflüsterung“ in die Tasten griff, war seine Leidenschaft für die russische Musik nicht zu überhören. Nicht weniger packend klang die stürmische Interpretation, die der zwölf Jahre alte Koreaner Geonhee Lee von Rachmaninovs „Moment Musical“ op. 16, Nr. 4 ablieferte.
Wie sich in den Wertungen zeigte, ließ sich die Jury jedoch weniger von dramatischer Kraftentfaltung als von pianistischem Feinschliff beeindrucken: Hier hatten eindeutig die Mädchen die Nase vorn. So beeindruckte die erste Preisträgerin, die 1998 in Litauen geborene Dorothé Vdovinskyté, mit subtiler Klanggebung und hellhöriger Interpretationskunst. Äußerst sensibel tauchte sie Rachmaninovs „Flieder“ in betörend zarte Pastelltöne.
Über einen hochentwickelten, fein pointierten Anschlag verfügte auch die 2. Preisträgerin, die aus Moskau stammende Anastasia Maksyuta, die zusätzlich mit dem Rachmaninov-Preis ausgezeichnet wurde. Mit wirbelnder Virtuosität und ungemein durchlässiger, geschmeidiger Spielweise begeisterte auch die jüngste Preisträgerin, die 2001 in Düsseldorf geborene Yumeka Nakagawa (3. Preis). Mit ihrer deutlich markanteren, feurigen Interpretation von Moszkowskis „Études des Virtuosité“ hob sich die vierte Preisträgerin, Yuna Nakagava deutlich von den anderen ab und setzte starke persönliche Akzente. Der fünfte Preis ging an Ekaterina Fedoseeva aus St. Petersburg. Einen Sonderpreis der Jury gewann Laetitia Noemi Hahn als jüngste Teilnehmerin.
Ein weiterer Höhepunkt war die Bekanntgabe der Gewinner des in diesem Jahr erstmals ausgeschriebenen Internationalen Rachmaninov-Kompositionswettbewerbs. Die im Geiste Rachmaninovs komponierten Werke, die bei der nächsten Ausschreibung zum Pflichtprogramm des Wettbewerbs gehören werden, wurden nach der Pause vorgestellt. Die drei ersten Preise gingen an die Russinnen Lidia Kalendareva, und Julia Lazareva sowie den Stuttgarter Komponisten Bernd Riebutsch. Für einen krönenden Abschluss des Konzertes sorgten die Juroren Grigory Gruzman, Wolfgang Manz und Mariya Kim, die neben den preisgekrönten Neukompositionen Werke von Debussy und Rachmaninov spielten.

 

 

 

Mit „Flieder“ in Pastellfarben überzeugte Doroté Vdovinskyté die Jury: Die litauische Pianistin gewann den Rachmaninov-Klavierwettbewerb in der Altersgruppe A der bis zu Vierzehnjährigen.
Foto: Nikolai Adler

Wettbewerb live:
Der öffentliche Wettbewerb dauert bis Sonntag (7.) in der Musikakademie Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt, Sonnemannstraße 16. Das Abschlusskonzert der Kategorien B und C beginnt am 7. April um 18 Uhr.