INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


         Kritiken

 

30. April 2012, Darmstädter Echo

 Furioser Reigen

Klavierabend – Die Rumänin Alina Elena Bercu zu Gast bei der Rachmaninov-Gesellschaft

VON SILVIA ADLER

DARMSTADT.  Ein Debussy-Zyklus stand im Zentrum des jüngsten Klavierabends im Darmstädter Kennedyhaus, zu dem die Rachmaninov-Gesellschaft eingeladen hatte.

„Die Musiker sind dazu ausersehen, den ganzen Zauber einer Nacht oder eines Tages, der Erde oder des Himmels einzufangen. Sie allein können ihre Atmosphäre oder ihren ewigen Puls erwecken“, so beschreibt Claude Debussy die Kernaufgabe musikalischen Schaffens. Als Schöpfer ureigenster Klangwelten zeigt sich der französische Komponist besonders in seinem zweibändigen, in den Jahren 1905 und 1907 veröffentlichen Klavierzyklus „Images“. Anlässlich des 150. Geburtstags des Komponisten stellte die junge rumänische Pianistin Alina Elena Bercu den Zyklus in den Mittelpunkt ihres Klavierabends, den sie auf Einladung der Rachmaninov-Gesellschaft im Kennedyhaus gab.

Mit zartem Anschlag ließ sie in den „Reflets dans L’eau“ die Spiegelungen auf der bewegten Wasseroberfläche Gestalt annehmen und kreierte leichthändig eine lyrisch verklärte Atmosphäre. Allerdings blieb das Spiel der 1990 geborenen Pianistin allzu sehr im impressionistischen Klangfarbenspiel verhaftet, ohne dass die unter der glitzernden Oberfläche verborgenen Kräfte der Musik genügend berücksichtigt worden wären. Trotz der feurigen Forteausbrüche in dem mit virtuos übergreifenden Händen gestalteten „Mouvement“ oder den quecksilbrig vitalen „Poissons d’or“ wirkte ihre Interpretation insgesamt allzu kontemplativ und harmlos.

Zu wenig zwingende Ausdruckskraft besaßen die zarten Pianopassagen. So blieben die raffinierten Verbindungen, mit denen Debussy bereits im leisesten Wellenschlag die heranbrausenden Forte-Eruptionen erahnen lässt, meist verdeckt von einem Schleier sich selbst genügender, pastellfarbener Klangschönheit.

Mit feurigem Anschlag gestaltete die Pianistin dagegen den „Carnaval“ op. 9 von Robert Schumann. Anders als bei Debussy setzte sie hier auf eine markante Linienführung und starke Akzente. Ohne Scheu vor Ecken und Kanten kostete sie den furiosen, aus kurzen Charakterstücken bestehenden Reigen emphatisch aus.

Das Publikum feierte Bercus leidenschaftliche Interpretation, deren eigenwillig grelle Kontraste Schumann fast schon in die Nähe von Prokofjew rückten, mit anhaltendem Applaus und Bravorufen.