INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


         Kritiken

 

29. Mai 2012, Darmstädter Echo

 Frage und Antwort

Klaviermusik – Preisträgerin Inge Du zu Gast bei der Rachmaninov-Gesellschaft

VON SILVIA ADLER

DARMSTADT. Oft ist der Hörgenuss gerade dann am größten, wenn es scheint, als würden die Klänge stofflich Gestalt annehmen. Mit der Kunst, Töne in sinnliche Materie zu verwandeln, begeisterte die junge Pianistin Inge Du am Samstag im Darmstädter Kennedyhaus. Als Preisträgerin des Internationalen Rachmaninov-Klavierwettbewerbs 2008 ist die Achtzehnjährige in Darmstadt längst keine Unbekannte mehr. Mit einem Benefizkonzert unterstützte sie nun den dritten von der Darmstädter Rachmaninov-Gesellschaft ausgeschriebenen Klavierwettbewerb für junge Pianisten, der 2013 anlässlich des 140. Geburtstags des Komponisten in Frankfurt ausgetragen werden soll.

Natürlich, spontan und perlend frisch klang Mozarts Klaviersonate KV 311 in D-Dur, deren kontrastreichen Kopfsatz Inge Du als beschwingtes Frage-Antwortspiel inszenierte. Ihre energiegeladene Expressivität bezog die Interpretation vor allem aus der atemberaubenden fingertechnischen Perfektion, mit der die Pianistin zu Werke ging. Fein ausbalanciert, erhielten selbst die kleinsten Notenwerte filigran geschliffene Konturen und entwickelten eine enorme klangliche Vitalität. Pointiert und spritzig entfaltete sich das temperamentvolle Rondo, während das dunkel getönte Andante in seinem romantisierenden Klangfarbenspiel fast in die Nähe von Schubert rückte.

Voll zur Geltung kamen die klangschöpferischen Qualitäten der Pianistin aber vor allem in den Werken von Rachmaninov, Chopin und Liszt. Einer düster grollenden Klangwolke glichen die ersten Takte von Liszts Ballade Nr. 2 in h-Moll, aus deren bedrohlicher Atmosphäre sich abgründige wie lichte Themen in dramatischem Hell-Dunkelkontrast herschälten. Immer wieder sah man die Zuhörer die Hälse recken, um der Pianistin genauer auf die Finger zu sehen. Fast magisch mutete es an, wie sie in Chopins g-moll-Ballade fließend zarte Klangschlieren zu rauschhaft explosiven musikalischen Höhepunkten ballten und die schwebende Atmosphäre in Rachmaninovs Elegie Op. 3 mit feinfühliger Phrasierung formte.

Eine besondere Rarität servierte die Pianistin mit César Francks Prélude, Choral und Fuge. Mit feinnervigem Anschlag schien sie auf dem Flügel einen dichten Funkennebel zu erzeugen und wandelte die Musik mit virtuoser Gestaltungskraft von einem Aggregatszustand in den anderen. Mal schwebend entrückt, mal in rauschhaftem Fluss oder in kristalline Formen gebannt, entfachte Francks viel zu selten gespielter musikalischer Genierstreich ein irrlichterndes, diabolisch wirkendes Feuer.