INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


         Kritiken

 

28. November 2011, Darmstädter Echo

Elefanten für Bach

Internationale Meisterkurse: Rachmaninov-Gesellschaft gibt Nachwuchs ein Podium.
Im Darmstädter Kennedyhaus präsentieren 13 Jung-Pianisten ihr Können – der kleinste ist sieben

Grigory Gruzman gibt Svitlana Gutova Hinweise für ihr Klavierspiel. Foto: Claus Völker

 

VON SILVIA ADLER

Nicht die Spur von Nervosität zeigte der siebenjährige Daniel Hilz beim Abschlusskonzert des „VI. Internationalen Meisterkurses für junge Pianisten“ am Samstag im voll besetzten Darmstädter Kennedyhaus. Obgleich er erst vor acht Monaten mit dem Klavierspiel begonnen hat, meisterte der Grundschüler Chopins Prelude in e-Moll mit traumwandlerisch sicherem Anschlag und großer Spielfreude. Der gebürtige Würzburger war jüngster Teilnehmer des in der vergangenen Woche von der Rachmaninov-Gesellschaft veranstalteten Klaviermeisterkurses, zu dem sich 13 Nachwuchspianisten aus Deutschland, Russland, Kasachstan und der Ukraine angemeldet hatten.

Als „ein kleines Wunder“ bezeichnete Kursleiter Grigory Gruzman die verblüffende Tastensicherheit, mit welcher der Zweitklässler spielte. Anfängliche Bedenken, ob ein auf technisch fortgeschrittene Pianisten zugeschnittener Meisterkurs nicht eine Überforderung für einen Siebenjährigen darstelle, wurden von Gruzman schon nach wenigen Augenblicken zerstreut. Mit kindgerechten Bildern führte er seinen jüngsten Kursteilnehmer an den Charakter der Klavierwerke heran und half ihm mit spielerischen Übungen, technische Hürden leichthändig hinter sich zu lassen. Immer wieder appellierte er an die Fantasie des jungen Pianisten, der es sichtlich genoss, in Bachs Präludium eine Elefantenherde über die Tasten stampfen zu lassen und bei Chopin die Sonnenblumen zum Blühen zu bringen.

Auch bei den älteren Kursteilnehmern erwiesen sich die vielfältigen Bilder und spontanen Körperübungen, mit denen Gruzman technische Blockaden löste und das Vordringen zum Kern der Musik vorantrieb, als äußerst fruchtbar. Verblüffend rasch erzielten seine Aufforderungen, die „Handgelenke atmen zu lassen“ oder „mit den Fingern die Tasten aufzusaugen“ eine positive Veränderung des Klangbildes.

Dass der Klavierprofessor sich nach drei prall gefüllten Unterrichtstagen, die morgens um neun begannen und abends erst um 21 Uhr endeten, keineswegs „müde oder verbraucht“ fühlte, lag nicht zuletzt an dem erfreulich hohen pianistischen Niveau der Kursteilnehmer. Beim Abschlusskonzert überzeugten die jungen Interpreten nicht nur mit souveräner Technik und beachtlicher Virtuosität, sondern auch mit feinfühliger Musikalität und eindringlichem Interpretationswillen.

Wunderbare Balance zwischen Wucht und fein schattierten Nuancen fand die Hamburgerin Anna Köbrich (20) in Rachmaninows umwölktem Prelude Op. 32. Gekonnt austariert war die Balance zwischen Dramatik und Lyrik auch in Amina Taikenovas Interpretation von Rachmaninows „Variationen über ein Thema von Corelli“. Mit fulminanter Technik und feuriger Ausdruckskraft begeisterte die Russin Yaroslava Terenteva in Liszts „Rhapsodie espagnole“. Sonderklasse zeigte die 1993 geborene Pianistin Inge Du, die mit Liszts Ballade Nr. 2 für den krönenden Abschluss sorgte. Mit ihrer beseelten, klar konturierten Spielweise verlieh sie dem furiosen Tastenrauschen tiefe Emotionalität.