INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


         Kritiken

 

28.09.2010, Darmstädter Echo

In Moll getönt

Klaviermusik: Ricarda Schmersahl stellt sich bei der Rachmaninov-Gesellschaft in Darmstadt als reife Solistin vor

VON KLAUS JEHLICKA

Mit einem in Moll getönten Programm stimmte die Pianistin Ricarda Schmersahl ihr Publikum auf den Herbst ein. Sie erwies sich dabei am Samstagabend im Kennedyhaus Darmstadt als Künstlerin mit großem musikalischen Potenzial. Wie Nikolaj Eurich, der Vorsitzende der Rachmaninov-Gesellschaft, betonte, war dies neben fünf Meisterkursen schon das 58. Konzert des seit knapp fünf Jahren bestehenden überaus aktiven Vereins. Besonders freute er sich, diesmal eine deutsche Pianistin mit überwiegend deutschem Repertoire bei freiem Eintritt präsentieren zu können.

Die 24 Jahre alte Künstlerin, die noch in Hamburg studiert und bereits mehrere Auszeichnungen erhielt, zeigte sich als verblüffend reife Musikerpersönlichkeit, wenn es darum ging, feinste Strukturen erlebbar zu machen. So wurde Bachs Fuge in cis-Moll BWV 849 mit bestechendem Detailreichtum und großem Spürsinn für die Gesamtkonzeption zur klingenden Darstellung barocker Bauprinzipien. Mit flexibler Tongebung und lebendigen Phrasierungen legte Ricarda Schmersahl die Satztechnik in Mozarts Sonate a-Moll KV 310 offen und ließ dabei eine Wohnzimmer-Atmosphäre aufkommen.

Dies lag freilich auch an der durch dicke Vorhänge stark gedämpften Akustik des Saales. Zudem war der große Konzertflügel durch ein kleineres Modell ersetzt worden. Der Preis dafür war der teilweise recht belegt klingende Diskant, der etwa in Frédéric Chopins Scherzo der b-Moll-Sonate op. 35 auftrumpfende Oktaven der rechten Hand ihrer Wirkung beraubte. Ohnehin lag das Ausgestalten klanglicher Schattierungen der offenbar bescheidenen Künstlerin weitaus mehr als auftrumpfende Gesten. Der Trauermarsch aus der gleichen Sonate überzeugte durch sein unprätentiöses Vorwärtsschreiten und seine jedes Mal neu gestaltete Kantilene des Mittelteils ebenso wie das spukhaft vorbeihuschende Finale.

Wenn es einer Künstlerin auch noch wie im Andante espressivo der f-moll Sonate op. 5 von Johannes Brahms gelingt, das Publikum quasi hautnah an sich heranzulassen und Einblicke ins Innerste der Musik möglich werden, verdient das höchste Anerkennung. Mit einer virtuosen Zugabe klang der Abend in fröhlichem C-Dur aus.