INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


         Kritiken

 

28.06.2010, Darmstädter Echo

Klavierabend mit Semilakovs

VON SILVIA ADLER

Gleich fünf erste Preise gewann der in Riga geborene Pianist Konstantin Semilakovs in den Jahren 2001 bis 2003 beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert". Auf Einladung der Rach-maninow-Gesellschaft gab der junge Lette, der seit 2003 bei Wolfgang Manz an der Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg studiert und inzwischen bei vielen internationalen Wettbewerben erfolgreich war, am Samstag einen Klavierabend im Darmstädter Kennedyhaus.

Die Philosophie seines Spiels zeigte sich schon im ersten Satz der Sonate in B-Dur D 960 von Franz Schubert. Mit äußerst direktem Anschlag intonierte er jede einzelne Stimme mit kristalliner Klarheit. Statt auf reiches Klangfarbenspiel setzte der Pianist auf prägnante Linienführung und perfekt kalkulierte Tempi. Als wolle er der Sonate jede vordergründige Romantik austreiben, spielte er die Sätze mit einer klaren Transparenz, die eher an Scar-latti als an Schubert denken ließ.

Ohne dem romantischen Farbzauber an der Klangoberfläche nähere Beachtung zu schenken, zielte seine Intention darauf, die verborgenen Nervenbahnen im Inneren der Musik freizulegen. Fokussiert auf das Wesentliche, kreierte sein Spiel einen packenden Spannungsbogen, dessen untergründig aufgestaute Emotionen sich im abschließenden Alle-gro-Satz wie rasend entluden.

Heftige Leidenschaft bestimmte auch Chopins Barcarolle op 60. Auch hier überraschte der unnachgiebige, mitunter fast harte Anschlag. Ungestüm, doch klar strukturiert gestaltete der 26 Jahre alte Solist die von Energie regelrecht strotzenden Etüden von Skrjabin und Rachmaninow.

Höhepunkt des Konzertabends war seine furiose Interpretation der sechsten Paganini-Etüde von Franz Liszt. Hintersinnig ließ der Pianist die vermeintlich heitere Melodik als irreführende Farce erscheinen, hinter deren virtuoser Verspieltheit ein diabolischer Abgrund lauerte.