INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


         Kritiken

 

8. Januar 2010, Darmstädter Echo

Mehr Schliff als Gefühl

Klavierabend - Der ukrainische Pianist Denys Proshayev gibt in der Darmstädter Orangerie ein Benefizkonzert

VON SILVIA ADLER

Lyrische Klangpoesie verströmte Mozarts Rondo a-Moll, mit dem der ukrainische Pianist Denys Proshayev am Sonntag in der Darmstädter Orangerie ein Benefizkonzert eröffnete zugunsten des zweiten internationalen Rachmaninov-Klavierwettbewerbs für junge Pianisten, der vom 6. bis zum 11. April in Frankfurt ausgerichtet wird. Ohne die klassischen Konturen zu verwischen, tauchte er das Werk in fast impressionistisch anmutende Klangfarben. Mit leichtem, perlendem Anschlag brachte er die zarten Pastelltöne von innen heraus zum Leuchten. Jede Phrase modellierend, zielte seine Interpretation vor allem auf die lichte Harmonie und klangliche Ausgewogenheit des Rondos, ließ dessen dunklere emotionale Schattierungen jedoch weitgehend unausgekostet.

Mit fein dosierten Verzögerungen, behutsam geführten Tonrepetitionen und geschmeidig filigraner Melodieführung gestaltete er Beethovens Albumblatt „Für Elise". Dessen sanft fließender Charakter stand in wirkungsvollem Kontrast zum schicksalsschweren Pathos der Sonate

„Pathetique", die der Gewinner des ARD-Wettbewerbs 2002 im Anschluss aufbranden ließ.
Wie eine schwere Bürde schienen sich die dramatischen Akkorde des Grave-Themas im Eingangssatz herabzusenken, ehe sich die leidenschaftlich aufbegehrende Verzweiflung im fiebrigen Tempo des Allegro molto con brio Bahn brach und ihre explosive Sprengkraft entfaltete. Auf einem langen Atem gesetzt, besaß das berühmte Adagio cantabile die warme Ausstrahlung eines Gesangsstücks. Eine versöhnliche Note prägte auch das mit vollendetem Feinschliff gespielte Allegro des Schlusssatzes.

Der leichthändigen Spielweise des Pianisten kamen auch die "Papillons" von Schumann sehr entgegen, deren kontrastreiche Charaktere er elegant ausgestaltete. Allerdings vermisste man bei Schumann wie auch bei Proshayevs Interpretation von Rachmaninows „Variationen über ein Thema von Corelli" die zwingenden Emotionen. Während dem Pianisten die Ausformung des äußeren Klangbildes in Perfektion gelang, blieb die des Gefühls seltsam vage.