INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


         Kritiken

 

22.10.2010, Darmstädter Echo

Feinkost von den Klaviertasten

Rachmaninov-Gesellschaft: Neun Nachwuchspianisten aus sechs Ländern gestalten das Konzert im Darmstädter Kennedyhaus

VON SILVIA ADLER

Im vollbesetzten Darmstädter Kennedyhaus feierte die Rachmaninov-Gesellschaft am Samstag die fünf Jahre ihres Bestehens. Das Jubiläumskonzert wurde von neun Nachwuchsmusikern aus sechs Nationen bestritten, die in den Tagen zuvor am fünften Internationalen Meisterkurs für junge Pianisten in Darmstadt teilgenommen hatten. Leiterin des Kurses war die Pianistin und Klavierprofessorin Beatrice Berthold.

Seit ihrer Gründung 2005 steht die Förderung des musikalischen Nachwuchses im Zentrum der Arbeit der Rachmaninov-Gesellschaft. »Musik ist ein Grundnahrungsmittel der Seele«, erklärte ihr Präsident Grigory Gruzman zum Konzertauftakt.

Gerade weil der Musikgeschmack der Gesellschaft deutliche Tendenz zum Fast Food zeige, verstehe man es als Aufgabe, bei jungen Menschen den Sinn für musikalische Feinkost zu wecken. Auch wenn »ab und zu sicher auch ein Hamburger schmecke«, sei ein reichhaltiges Nahrungsangebot auf Dauer unverzichtbar.

Ein erstaunlich reifes Gespür für klassische Musik zeigte der zehnjährige Evgeni Petrichev, der das Konzert mit Chopins Walzer in cis-Moll eröffnete. Zart und gefühlvoll zeichnete er die Melodielinie und handhabte die Phrasierung dennoch mit der nötigen Prägnanz. Mit eindringlich rotierenden Dreiklangsbewegungen wartete der Würzburger in seiner eigenen Komposition »Für Marlene« auf.
Während Johanna Heilos in Griegs Nocturne in C-Dur eine impressionistisch verträumte Atmosphäre schuf, betonte Franziska Bank in Rachmaninovs »Moment musical« op. 16 Nr. 5 die dunkle Klangmagie des Werkes.

Eine subtile Mischung aus düster gewichtigen Fortepassagen und virtuos flimmernden Verzierungen gelang dem Darmstädter Lukas Grossmann in Chopins Scherzo Nr. 3 in cis-Moll. An Chopins »Revolutions-Etüde« wagte sich die türkische Pianistin Cagla Cisem Gürsoy, die das Werk mit geschmeidiger Tongebung vortrug. Sie müsste allerdings noch mehr Durchsetzungsvermögen entwickeln.

Expressive Kraft entfaltete dagegen der 18 Jahre alte Chinese Lianyi Zhang in Chopins Ballade in As-Dur. Für den hochkarätigen Abschluss sorgte die aus Albanien stammende Pianistin Besjana Cegrani mit der brillant interpretierten Waldesrauschen-Konzertetüde von Liszt und den mit Beatrice Berthold vierhändig gespielten »Fantasiestücken« von Rachmaninov.