INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


         Kritiken

 

5. März 2010, Darmstädter Echo

Potpourri zum Ausklang

Die italienische Pianistin Roberta Pili in der Darmstädter Orangerie

VON KLAUS TRAPP

Auf Einladung der Rachmaninov-Gesellschaft gab die italienische, auf Sardinien geborene Pianistin Roberta Pili einen Klavierabend in der Darmstädter Orangerie. Der zweite Teil des Konzerts war Chopin gewidmet, einem der großen Jubilare dieses Jahres. Als abschließende Krönung waren die Variationen über Chopins c-moll-Prelude von Rachmaninov gedacht, die allerdings in einer seltsam abgewan-delten Form erklangen. Roberta Pili verzichtete auf die letzten fünf Variationen, hängte den Trauermarsch aus Chopins b-moll-Sona-te an und machte noch einen Schwenk zu Zitaten aus Rachmaninovs Corelli-Variationen und aus dessen zweitem Klavierkonzert. Bei der Wiedergabe des so entstandenen Potpourris zeigte die eigenwillige Pianistin ausgeprägten Klangsinn und technische Gewandtheit.

Zuvor hatte Pili vier Originalwerke von Chopin geboten. Das cis-moll-Scherzo Op. 39 spielte sie mit extremen Temposchwankungen und ein wenig verhuscht in den filigranen Läufen. Im Des-Dur-Nocturne verriet sie ihr Gespür für die gefühlvolle Nachzeichnung gesanglicher Linien. Mit enormem Temperament ge-staltete sie die Balladen Nr. 1 und Nr. 4. Hier gelang es ihr, weite Spannungsbogen aufzubauen und den dramatischen Gestus der Stücke herauszuarbeiten.

Der erste Programmteil hatte groß angelegten Werken von Bach gegolten. Die Chromatische Fantasie mit Fuge in d-moll BWV 903 war in einer romantisch geprägten Interpretation zu hören, sehr frei im Tempo und mit einer fast schon orchestralen Gebärde. Die Chaconne aus Bachs d-moll-Partita für Violine fügte sich in der Klavierbearbeitung von Ferruccio Busoni nahtlos an, auch hier geht es um mächtige Klangentfaltung.

Im Übrigen bewies der Abend, dass der Weg von Bach zu Chopin und Rachmaninov keineswegs so weit ist, wie es die Entstehungszeit der Werke eigentlich vermuten ließe - kontrapunktische und harmonische Finessen gibt es hier wie dort.