INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


         Kritiken

 

1. Februar 2010, Darmstädter Echo

Wiener Walzer mit Donnergrollen

Benefizkonzertert - Bravorufe im Kennedyhaus beim Auftritt der Pianisten Anna Tyshayeva und Alexander Kleonov

VON SILVIA ADLER

Die Pianisten Anna Tyshayeva und Alexander Kleonov spielten am Samstag im Darmstädter Kennedyhaus ein Benefizkonzert zugunsten des zweiten Internationalen Rachmaninov-Klavierwettbewerbs. 65 Teilnehmer aus über 20 Ländern haben sich dieses Mal für den von der Rachmaninov-Gesellschaft ins Leben gerufenen Wettbewerb angemeldet, weil in Darmstadt jedoch kein geeigneter Austragungsort zur Verfügung stand, spielen die jungen Pianisten in diesem Jahr in Frankfurt.

Mit klarem, energiegeladenem Anschlag servierte Anna Tyshayeva zu Beginn des Konzerts die „Englische Suite" Nr. 2 a-Moll von Bach Technisch ausgefeilt, ließ ihr Spiel jede Stimme transparent werden und kostete die sechs unterschiedlichen Charaktere der dem Werk zugrundeliegenden Tänze temperamentvoll aus. In zart verschwimmenden Tonschlieren begann sie dagegen Cesar Francks selten gespieltes Klavierstück „Prelude, Choral und Fuge". Angetrieben von der kraftvollen Basslinie und den eindrucksvoll gewitternden Oktaven in der rechten Hand, erfuhr das 1884 entstandene Werk im Verlauf eine gewaltige Steigerung: Ausdrucksstark entfaltete die Pianistin die gesamte spätromantische Gefühlspalette. Einem rauschhaftem Tanz auf dem Trümmerfeld des Ersten Weltkrieges glich Maurice Ravels ursprünglich als Ballettmusik konzipiertes, von Anna Tyshayeva selbst arrangiertes Werk „La Valse" von 1920. Mal tief melancholisch, mal blindwütig auftrumpfend brach sich der Wiener Walzer durch das Donnergrollen der Zerstörung immer wieder Bahn.

Einen wunderbaren Kontrast dazu bildete der weiche, fließende Klang, den Alexander Kleonov dem „Adagio sostenuto" in Beethovens "Mondscheinsonate" entlockte. Selbst in den furiosen Läfen und donnernden Tonrepetitionen des „Presto agitato" blieb seine Tongebung stets geschmeidig und ohne Härte.

Entfesselte Gefühlsausbrüche vehement aufbranden zu lassen, ohne dabei die angenehme Rundung seines Tons zu verlieren, verstand er schließlich auch in seiner mit Bravorufen gefeierten Interpretation von Beethovens „Appassionata".