INTERNATIONALE RACHMANINOV - GESELLSCHAFT e.V.


         Kritiken

 

MONTAG, 20 APRIEL 2009,

Romantischer Klang

Daniel Röhm

VON MARTIN NEUMANN

Die Deutsche Klavierschule wird für viele ihrer Tugenden geschätzt und geachtet: Stiltreue, intellektuelles Durchdringen der Werke, kluger Formbau, unhysterischer Umgang auch mit Hoch- und Postromantik und Vieles mehr. Großer romantischer Klavierton, sanft, voluminös und brillant zu gleich, wird allerdings eher der Russischen Klavierschule zugeordnet.

Und genau hiermit zog der junge deutsche Pianist - Dclassaniel Röhm - das Publikum des 36. Konzertes der Rachmaninov-Gesellschaft in seinen Bann. Dies geschah jedoch nicht etwa deswegen, weil der Künstler die oben erwähnten Tugenden durch seinen Klang zu ersetzen versucht hat. Im Gegenteil. Die sehr gelungene Mischung aus "deutschen" und "russischen" Klavierspiel-Zutaten, die mit nötiger Portion geschmackvoller und für die Romantik so notwendigen rhythmischen Freiheiten vermengt war, hat der Musizierkunst von Daniel Röhm eine besonders vitale Ausstrahlung mit sehr persönlichen Zügen verliehen.

Der unverstellte frische Blick auf die populäre und beliebte Preludes von Sergej Rachmaninov erlaubte dem jungen Künstler im Bekannten - Neues zu erblicken. Dies tat er stiltreu, geschmeidig in Fortbewegung und Dynamik. Röhm hat erfolgreich unter Beweis gestellt, dass man auch in einem Raum fast ohne eigener Akustik klangmalerische Zauberei entwickeln kann.

Seine Liszt-Interpretationen - Mephisto-Walzer, Funérailles und eher selten zu hörenden Variationen über "Weinen, klagen, sorgen, zagen" - waren ein Zeugnis dafür, dass man trotz akribischer Ausarbeitung der Details, dennoch den Blick für das Ganze behalten kann; ein Zeichen bedeutender musikalischen Reife.

Zuschauer

Die Vielfalt dieses gelungenen Abends wurde durch eine dramatische Darbietung der Schubertschen C-moll-Sonate ergänzt. Hierbei kam weder das Filligrane noch das Nachdenkliche zu kurz. Auch hier war der wunderschöne Klang des Pianisten dem Charakter des Werkes kreativ angepasst.
Für diesen insgesamt kurzweiligen - weil inhaltsvollen Abend - bedankten sich die Zuhörer mit einem lang anhaltenden Applaus und
erklatschten sich noch eine Zugabe: Schubert-Liszt. Die vollblütige, ja fiebrige Interpretation dieses ergreifenden Werkes bot einen würdigen Abschluß des bewegenden Abends.